DER SAMURAI
http://rivendell.fortunecity.com/nemesis/767/samurai.htm Version 14-01-99
"Ein Samurai ist an jeder Stelle angreifbar, die er nicht beherrscht. Er ist Krieger, Poet, Liebhaber, Richter und Freund, es gibt nichts was er nicht kann, er ist an keiner Stelle verwundbar."
-Bushido, Kapitel 5, DER SAMURAI

Tecuma wartete geduldig. Er kannte diese Besuche seines Herren bei seiner Kokubine in Tusan, und auf eine schwer definierbare Art und Weise mochte er die einsamen Stunden vor der Tür der dunkelhaarigen Schönheit sogar. Sämtliche Zugänge zu der prunkvollen Unterkunft waren von ihm abgesichert, jeder einzelne durch einen besonders vertrauensvollen Bushi bewacht. Nichts konnte schiefgehen. Kein noch so begabter Ninja konnte seinem Herren gefährlich werden.
Ein leises Geräusch liess ihn aus seiner meditativen Andacht aufschrecken. Hinter der verschlossenen Tür höhrte er ein leises Gurgeln. Definitiv kein lustvolles Gurgeln.
Blitzschnell schossen ihm seine Handlungsmöglichkeiten durch den Kopf - die Tür war zu robust und mit stabilen Riegeln gesichert, aber bei seiner Vorhergegangenen Inspizierung hatte er bemerkt dass die Wand direkt daneben nur aus höchstens 5cm dicken Holz bestand. Er stiess den verabredeten Warnschrei aus und warf sich mit aller Wucht gegen die Wand. Sie gab nach. Ohne einen weiteren Laut von sich zu geben rollte er sich ab und kahm mit federnden Schritten und gezogenen Wakizashi zum stehen.
Seine Befürchtung hatte sich bestätigt... kein Ninja hätte von aussen eindringen können, doch gegen eine verräterische Schlage konnte selbst der grösste Löwe nicht bestehen. Sein Herr lag auf dem Boden, halb nackt und mit durchgeschnittener Kehle. Seine Geliebte und Mörderin hatte sich bereits den Dolch ins Herz gestossen uns schien Tecuma mit starren Augen zu verspotten. Doch der Samurai wusste dass er jetzt keine Schwäche zeigen durfte. NIcht jetzt. Nie.
Mit einer ruckartigen Bewegung drehte er sich um rannte durch die zerstörte Aussenwand. Ein Priester Hantukamas - ein heiliges Wunder war das einzige was seinen röchelnden Herren noch retten konnte, bevor der letzte Tropfen Leben ihn verlassen hatte. Doch innerhalb von drei Minuten einen Priester aufzutreiben war nehezu unmöglich - doch der Samurai handelte ohne zu denken. Wer ihm im Weg stand fand sich nicht selten mit gerochenen oder geprellten Gleidern am Strassenrandwieder. Es wurde ein Wettlauf mit Turakama, den der Samurai nur um Haaresbreite gewann.
Und so rette die Geistesgegenwert Tecumas, Samurai des Shogun Chochapan-Zataki, seinem Herren das Leben und er entging der ewigen Schande des Ronin...

Der Samurai (übersetzt "Diensthabender") ist mehr als nur ein Krieger der seinem Herren dient. Er ist auch sein Leibwächter, sein Berater, Vertrauter, Vollstrecker und Diener. Ein Samurai ist in allen Bereichen des Lebens ausgebildet, in jeder Art von Intrigen, in jeder Art von Kampf.
Samurai haben in der Gesellschaft der Tsuranni eine einzigartige Stellung. Sie sind direkt ihrem Shogun untergeben und niemand außer ihm und den Erhabenen kann ihm Befehle geben, die er nicht verweigern und hinterfragen kann. Er hat zwar die Befehle der Blutsverwanten seines Herren auzuführen ist dazu aber nicht verpflichtet. Er kann allen Bushi seines Herren Befehle geben und ist nicht an das Wort des Oberhaupt des Hauses gebunden. Er kann auf Anweisung seines Herren eigenständig Urteile fällen und vollstrecken und lebt in höchsten Ehren.
Doch das Samuraidasein hat auch Nachteile. Ein Samurai ist direkt an seinen Herren gebunden und nicht an das Haus seines Herren. Stirbt sein Herr wird er zum Ronin (übersetzt "Wellenmensch"), der ewig dazu verdammt ist herren- und ehrlos durch die Welt zu streifen. Ein solcher Ronin ist noch weniger wert als ein Grauer Krieger oder ein Sklave, er kann nie mehr einem Herren dienen und kann nicht sterben um unter einem neuen Name wiedergeboren zu werden. Angesichts einer solchen Entehrung ziehen es die meisten Samurai im ausichtslosen Fall vor, den Tod durch die Klinge zu erleiden und so bei der nächsten Umrundung des Seelenrades eine höhe, ehrenvollere Position einzunehmen.
Doch nicht allen Samurai ist dies vergönnt. Wie auch Bushi dürfen sie sich nach dem Tod ihres Herrn nicht eigenmächtig das Leben nehmen, es sei denn er hätte das zu Lebzeit angeordnet. Solche armseligen Samurai werden zu Ronin und damit aus dem Haus dem sie dienten verstoßen.
Ein solcher Ronin kann dann nur noch als ehrloser Söldner, bei private Handelkaravanen als Wächter oder als Bandit arbeiten, bis ihn gnädig der ehrlose Tod ereilt.

CHARAKTERERSCHAFFUNG:
Beide Samuraiarten sollten die Attribute sehr gleichmäßig verteilen, da sie durch ihre spezielle Lebensphilosopie keinerlei Schwächen haben dürfen. Die Fertigkeiten sollten ebenfalls so verteilt sein, daß keine gesellschaftlichen oder körperlichen Defizite entstehen. Zwar ist jeder Samurai anders, und oft haben sie Spezialgebiete, aber alle Samurai und
damit natürlich auch alle Ronin sollten in folgen Disziplinen einen wenigstens mittelmäßigen Stand erreicht haben:
Kampfkunst (mit nahezu allen Waffen), Taktik, Etikette, Poesie, Verführen und Lesen/Schreiben.

DAS SPIELEN EINES SAMURAI:
Ein Samurai wird in der Kriegerakademie wegen seiner Begabungen erkannt und dann mit dem Geld seines Hauses ausgebildet. Er ist vor allem sehr Intelligent und oft eine Führungspersönlichkeit. Er wird außerdem einer ausgedehnten Gehirnwäsche unterzogen in der er hundertprozentig seinem Herren und Meister unterworfen wird. Noch extremer als die Bushi wird kein Samurai jemals seinen Herren verraten oder irgendein Leben dem seines Shogun vorziehen. Ihre Eigenständigkeit wird dabei allerdings, anders als bei den Bushi, noch gestärkt, wodurch viele Samurai am Strick sterben - weil sie sich über das Wort ihres Herren hinwegsetzten um sein Leben oder seine Ehre zu retten.
Der Einfachheit halber haben wir im weiteren zwischen Samurai und Ronin unterschieden.
SAMURAI:
Ein Samurai ist Diener seines Herren und muß bei Spielbeginn einen wählen. Er wurde vielleicht in einer armen Bauernfamilie geboren und bald an eine Kriegerakademie verkauft. Dort wurde seine Veranlagung zur Vielseitigkeit und seine hohe Intelligenz festgestellt und er wurde auf Kosten seines Hauses zu einem Samurai ausgebildet, der dann am Ende seiner zehnjährigen Ausbildungszeit einem jungen, oder seltener, älteren Shogun zur Verfügung gestellt wurde. Der Shogun hat ihn von vielen Anwärtern erwählt und ist nun sein absoluter Herr.
Und genau aus diesem Loyalitätskonflikt erwächst das Hauptproblem des Samuraispielers. Ähnlich wie ein Sklave oder ein Bushi ist auch er ein absoluter Diener seines Herrn und mir solchen sklavischen Untergebenen sind schwer für alle befriedigende Abenteuer zu spielen. Sollte der Shogun nicht ebenfalls von einem Spieler gespielt werden, ist ein
besonders schwieriges Rollenspiel notwendig, aber auch ein besonders interessantes.
Unterm Strich ist zu sagen daß dem Samurai das Leben seines Herren über alles geht. Über sein Leben, seine Ehre und sogar das Wort seines Herren.
RONIN:
Der Ronin hat den gleichen Weg durchlaufen wie der Samurai, aber über kurz oder lang ist sein Herr gestorben. Vielleicht war es gar nicht seine Schuld - er könnte an einer Krankheit oder an Altersschwäche gestorben sein. Sollte er jedoch einen Schuldigen ausmachen können, so wird sein gesamtes Streben der Rache für seinen Herren gelten.
Einen Ronin zu spielen ist fast noch schwerer als einen Samurai. Wo beim Samurai nur blinde Loyalität war ist beim Ronin nur ein großes Loch zurückgeblieben. Das kann er nun auf vielfältige Art wieder zu stopfen versuchen. Ob er den Drogen verfällt oder vom Bett einer Hure ins nächste springt, Ronin sind immer traurige, tragische Helden, immer auf der Suche nach einem Sinn und einer Lebensaufgabe.