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Tecuma wartete geduldig. Er kannte diese Besuche
seines Herren bei seiner Kokubine in Tusan, und auf eine schwer definierbare
Art und Weise mochte er die einsamen Stunden vor der Tür der dunkelhaarigen
Schönheit sogar. Sämtliche Zugänge zu der prunkvollen Unterkunft
waren von ihm abgesichert, jeder einzelne durch einen besonders vertrauensvollen
Bushi bewacht. Nichts konnte schiefgehen. Kein noch so begabter Ninja konnte
seinem Herren gefährlich werden.
Ein leises Geräusch liess ihn aus seiner
meditativen Andacht aufschrecken. Hinter der verschlossenen Tür höhrte
er ein leises Gurgeln. Definitiv kein lustvolles Gurgeln.
Blitzschnell schossen ihm seine Handlungsmöglichkeiten
durch den Kopf - die Tür war zu robust und mit stabilen Riegeln gesichert,
aber bei seiner Vorhergegangenen Inspizierung hatte er bemerkt dass die
Wand direkt daneben nur aus höchstens 5cm dicken Holz bestand. Er
stiess den verabredeten Warnschrei aus und warf sich mit aller Wucht gegen
die Wand. Sie gab nach. Ohne einen weiteren Laut von sich zu geben rollte
er sich ab und kahm mit federnden Schritten und gezogenen Wakizashi zum
stehen.
Seine Befürchtung hatte sich bestätigt...
kein Ninja hätte von aussen eindringen können, doch gegen eine
verräterische Schlage konnte selbst der grösste Löwe nicht
bestehen. Sein Herr lag auf dem Boden, halb nackt und mit durchgeschnittener
Kehle. Seine Geliebte und Mörderin hatte sich bereits den Dolch ins
Herz gestossen uns schien Tecuma mit starren Augen zu verspotten. Doch
der Samurai wusste dass er jetzt keine Schwäche zeigen durfte. NIcht
jetzt. Nie.
Mit einer ruckartigen Bewegung drehte er sich
um rannte durch die zerstörte Aussenwand. Ein Priester Hantukamas
- ein heiliges Wunder war das einzige was seinen röchelnden Herren
noch retten konnte, bevor der letzte Tropfen Leben ihn verlassen hatte.
Doch innerhalb von drei Minuten einen Priester aufzutreiben war nehezu
unmöglich - doch der Samurai handelte ohne zu denken. Wer ihm im Weg
stand fand sich nicht selten mit gerochenen oder geprellten Gleidern am
Strassenrandwieder. Es wurde ein Wettlauf mit Turakama, den der Samurai
nur um Haaresbreite gewann.
Und so rette die Geistesgegenwert Tecumas, Samurai
des Shogun Chochapan-Zataki, seinem Herren das Leben und er entging der
ewigen Schande des Ronin...
Der Samurai (übersetzt "Diensthabender") ist
mehr als nur ein Krieger der seinem Herren dient. Er ist auch sein Leibwächter,
sein Berater, Vertrauter, Vollstrecker und Diener. Ein Samurai ist in allen
Bereichen des Lebens ausgebildet, in jeder Art von Intrigen, in jeder Art
von Kampf.
Samurai
haben in der Gesellschaft der Tsuranni eine einzigartige Stellung. Sie
sind direkt ihrem Shogun untergeben und niemand
außer ihm und den Erhabenen kann ihm Befehle geben, die er nicht
verweigern und hinterfragen kann. Er hat zwar die Befehle der Blutsverwanten
seines Herren auzuführen ist dazu aber nicht verpflichtet. Er kann
allen Bushi seines Herren Befehle geben und ist nicht an das Wort des Oberhaupt
des Hauses gebunden. Er kann auf Anweisung seines Herren eigenständig
Urteile fällen und vollstrecken und lebt in höchsten Ehren.
Doch das Samuraidasein hat auch Nachteile. Ein
Samurai ist direkt an seinen Herren gebunden und nicht an das Haus seines
Herren. Stirbt sein Herr wird er zum Ronin (übersetzt "Wellenmensch"),
der ewig dazu verdammt ist herren- und ehrlos durch die Welt zu streifen.
Ein solcher Ronin ist noch weniger wert als ein Grauer Krieger oder ein
Sklave, er kann nie mehr einem Herren dienen und kann nicht sterben um
unter einem neuen Name wiedergeboren zu werden. Angesichts einer solchen
Entehrung ziehen es die meisten Samurai im ausichtslosen Fall vor, den
Tod durch die Klinge zu erleiden und so bei der nächsten Umrundung
des Seelenrades eine höhe, ehrenvollere Position einzunehmen.
Doch nicht allen Samurai ist dies vergönnt.
Wie auch Bushi dürfen sie sich nach dem Tod
ihres Herrn nicht eigenmächtig das Leben nehmen, es sei denn er hätte
das zu Lebzeit angeordnet. Solche armseligen Samurai werden zu Ronin und
damit aus dem Haus dem sie dienten verstoßen.
Ein solcher Ronin kann dann nur noch als ehrloser
Söldner, bei private Handelkaravanen als Wächter oder als Bandit
arbeiten, bis ihn gnädig der ehrlose Tod ereilt.
CHARAKTERERSCHAFFUNG:
Beide Samuraiarten sollten die Attribute sehr gleichmäßig
verteilen, da sie durch ihre spezielle Lebensphilosopie keinerlei Schwächen
haben dürfen. Die Fertigkeiten sollten ebenfalls so verteilt sein,
daß keine gesellschaftlichen oder körperlichen Defizite entstehen.
Zwar ist jeder Samurai anders, und oft haben sie Spezialgebiete, aber alle
Samurai und
damit natürlich auch alle Ronin sollten in
folgen Disziplinen einen wenigstens mittelmäßigen Stand erreicht
haben:
Kampfkunst (mit nahezu allen Waffen), Taktik, Etikette,
Poesie, Verführen und Lesen/Schreiben.
DAS SPIELEN EINES SAMURAI:
Ein Samurai wird in der Kriegerakademie wegen seiner
Begabungen erkannt und dann mit dem Geld seines Hauses ausgebildet. Er
ist vor allem sehr Intelligent und oft eine Führungspersönlichkeit.
Er wird außerdem einer ausgedehnten Gehirnwäsche unterzogen
in der er hundertprozentig seinem Herren und Meister unterworfen wird.
Noch extremer als die Bushi wird kein Samurai jemals
seinen Herren verraten oder irgendein Leben dem seines Shogun
vorziehen. Ihre Eigenständigkeit wird dabei allerdings, anders als
bei den Bushi, noch gestärkt, wodurch viele Samurai am Strick sterben
- weil sie sich über das Wort ihres Herren hinwegsetzten um sein Leben
oder seine Ehre zu retten.
Der Einfachheit halber haben wir im weiteren zwischen
Samurai und Ronin unterschieden.
SAMURAI:
Ein Samurai ist Diener seines Herren und muß
bei Spielbeginn einen wählen. Er wurde vielleicht in einer armen Bauernfamilie
geboren und bald an eine Kriegerakademie verkauft. Dort wurde seine Veranlagung
zur Vielseitigkeit und seine hohe Intelligenz festgestellt und er wurde
auf Kosten seines Hauses zu einem Samurai ausgebildet, der dann am Ende
seiner zehnjährigen Ausbildungszeit einem jungen, oder seltener, älteren
Shogun zur Verfügung gestellt wurde. Der Shogun hat ihn von vielen
Anwärtern erwählt und ist nun sein absoluter Herr.
Und genau aus diesem Loyalitätskonflikt erwächst
das Hauptproblem des Samuraispielers. Ähnlich wie ein Sklave oder
ein Bushi ist auch er ein absoluter Diener seines Herrn und mir solchen
sklavischen Untergebenen sind schwer für alle befriedigende Abenteuer
zu spielen. Sollte der Shogun nicht ebenfalls von einem Spieler gespielt
werden, ist ein
besonders schwieriges Rollenspiel notwendig, aber
auch ein besonders interessantes.
Unterm Strich ist zu sagen daß dem Samurai
das Leben seines Herren über alles geht. Über sein Leben, seine
Ehre und sogar das Wort seines Herren.
RONIN:
Der Ronin hat den gleichen Weg durchlaufen wie
der Samurai, aber über kurz oder lang ist sein Herr gestorben. Vielleicht
war es gar nicht seine Schuld - er könnte an einer Krankheit oder
an Altersschwäche gestorben sein. Sollte er jedoch einen Schuldigen
ausmachen können, so wird sein gesamtes Streben der Rache für
seinen Herren gelten.
Einen Ronin zu spielen ist fast noch schwerer als
einen Samurai. Wo beim Samurai nur blinde Loyalität war ist beim Ronin
nur ein großes Loch zurückgeblieben. Das kann er nun auf vielfältige
Art wieder zu stopfen versuchen. Ob er den Drogen verfällt oder vom
Bett einer Hure ins nächste springt, Ronin sind immer traurige, tragische
Helden, immer auf der Suche nach einem Sinn und einer Lebensaufgabe.